Wer in diesem Jahr Baggerzahlen liest, liest eigentlich eine Geschichte über Strom.
Off-Highway Research hat im September seine globale Baggerstatistik vorgelegt, International Rental News hat sie am 15. Oktober zusammengefasst. Die Kernzahlen: Mehr als 570.000 Mini-, Rad- und Kettenbagger wurden 2025 weltweit verkauft, zu einem Einzelhandelswert von rund 65 Milliarden US-Dollar. Bagger machen damit etwa jede zweite verkaufte Baumaschine aus — vor zwanzig Jahren war es etwa jede dritte. Das langfristige Wachstum liegt bei 4,6 Prozent pro Jahr, gegenüber 3,5 Prozent für Baumaschinen insgesamt.
Der Satz, der den Verleih betrifft
In dem Bericht steht eine Passage, die leicht überlesen wird: Elektrische Bagger hinkten der Elektrifizierung von Radladern und Muldenkippern hinterher — aber 2026 habe sich das zu ändern begonnen. Als Treiber nennt die Analyse unter anderem Städte in China, die dieselbetriebene Baumaschinen aus Gründen der Luftqualität einschränken, sowie höhere Ölpreise.
Das ist keine Produktmeldung. Das ist eine Verschiebung der Reihenfolge: Erst wird die Maschine elektrisch, dann fällt auf, dass der Strom nicht mitgeliefert wird.
Was auf der Baustelle übrig bleibt
Eine elektrische Maschine braucht keinen Tank, aber einen Anschluss. Und der ist selten dort, wo gearbeitet wird.
Genau an dieser Stelle entsteht für den Verleih ein zweites Geschäft, das es vorher nicht gab: nicht nur die Maschine, sondern die Versorgung.
Drei Fragen, die ab dem Moment im Angebot stehen sollten, in dem eine elektrische Maschine im Spiel ist:
- Wer bringt den Strom? Netzanschluss, Festinstallation oder eine Einheit, die mitkommt.
- Was hängt daran? Nicht die Nennleistung der Maschine, sondern die Lastspitze beim Anlauf und der tatsächliche Arbeitszyklus.
- Wer dokumentiert es? Laufzeit, Ladestand bei Rückgabe, Ladedauer. Ohne diese drei Zeilen bleibt jede Nachkalkulation ein Gefühl.
Die Infrastrukturfrage ist nicht nur eine chinesische
Bemerkenswert ist der zweite Teil der Analyse: Off-Highway Research erwartet, dass eine schnellere Verbreitung in China den Aufbau von Ladeinfrastruktur vorantreibt — und dass genau diese Infrastruktur nötig ist, damit sich elektrische Bagger global durchsetzen.
Für europäische Baustellen heißt das im Umkehrschluss: Solange Ladeinfrastruktur nicht überall steht, bleibt die mobile Versorgung die Brücke. Nicht als Übergangslösung für ein Quartal, sondern als Bestandteil des Verleihpakets.
Was daraus nicht folgt
Aus diesen Zahlen folgt keine Prognose für Deutschland. Der Bericht beschreibt den globalen Markt mit einem Schwerpunkt auf China, wo der Anteil chinesischer Hersteller von rund 6 Prozent vor zehn Jahren auf 30 Prozent im Jahr 2025 gestiegen ist, während japanische Hersteller von 49 auf 34 Prozent kamen. Wie schnell europäische Bauhöfe elektrifizieren, steht dort nicht.
Was folgt, ist eine Frage an den Verleih: Wenn die Maschine elektrisch kommt — kommt die Versorgung mit?
Quellen: International Rental News, 15.10.2026 · Off-Highway Research
*Alle Zahlen in diesem Beitrag stammen aus der Berichterstattung über den Bericht von Off-Highway Research (September 2026). Eigene Schätzungen oder Hochrechnungen für den europäischen Markt enthält dieser Text nicht.*

