Die Zahl, die es seit 1991 nicht gab

Am 23. Oktober 2026 hat das Statistische Bundesamt die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe für August 2026 veröffentlicht. Der reale, kalender- und saisonbereinigte Auftragseingang stieg gegenüber Juli 2026 um 23,0 Prozent. Es war der höchste saisonbereinigte Anstieg zum Vormonat seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1991.

In derselben Meldung steht der Satz, der in den Meldungen danach meist fehlt: „Bedingt durch mehrere Großaufträge."

Was in der Meldung steht, Zahl für Zahl

  • +23,0 % – realer Auftragseingang im Bauhauptgewerbe, August 2026 gegenüber Juli 2026, kalender- und saisonbereinigt. Höchster Monatswert seit 1991.
  • +12,4 % – davon Hochbau.
  • +31,6 % – davon Tiefbau.
  • +7,6 % – Dreimonatsvergleich Juni bis August 2026 gegenüber den drei Monaten davor, kalender- und saisonbereinigt. Darin: Hochbau +0,6 %, Tiefbau +13,8 %.
  • +17,3 % – gegenüber August 2025, real und kalenderbereinigt. Darin: Hochbau −1,7 %, Tiefbau +36,4 %.
  • +4,9 % – realer Umsatz gegenüber August 2025; nominal +10,1 % auf 10,9 Milliarden Euro.
  • +1,5 % – tätige Personen gegenüber August 2025, rund 548 000.

Alle Angaben beziehen sich auf Betriebe von Unternehmen mit 20 und mehr tätigen Personen. Quelle: Destatis, Pressemitteilung 375 vom 23. Oktober 2026.

Warum die 23 nicht die Zahl ist, mit der man einen Gerätepark plant

Zwei Dinge stehen direkt daneben, und beide sind unbequem.

Das erste ist der Vormonat. Im Juli 2026 war der Auftragseingang noch um 9,2 Prozent gegenüber Juni gefallen – ebenfalls real, kalender- und saisonbereinigt, ebenfalls Destatis. Ein Monat mit Großaufträgen und ein Monat ohne ergeben in dieser Reihe keinen Trend, sondern einen Ausschlag.

Das zweite ist der Vorjahresvergleich. Gegenüber August 2025 liegt der Hochbau mit 1,7 Prozent im Minus. Das Plus kommt aus dem Tiefbau, dort mit 36,4 Prozent. Wer aus der 23 eine breite Baukonjunktur liest, liest sie falsch.

Das Statistische Bundesamt schreibt selbst, wie die beiden Zahlen zu lesen sind: Der Monatsvergleich zeige die kurzfristige Entwicklung, der Vorjahresvergleich diene dem längerfristigen Niveauvergleich. Die weniger schwankende Variante liefert es gleich mit – den Dreimonatsvergleich, plus 7,6 Prozent.

Für die Disposition heißt das: Die belastbare Aussage dieses Oktobers ist nicht „23 Prozent", sondern „Tiefbau zieht, Hochbau steht". Das ist eine andere Aussage über eine Flotte als ein Rekordmonat.

Was im Tiefbau anders läuft als im Rohbau

Ein Rohbau hat einen Anschlusspunkt. Der Verteiler steht neben dem Container, die Last wächst mit den Geschossen, und wer Strom braucht, geht dorthin.

Ein Tiefbau hat keinen Anschlusspunkt. Er hat eine Länge.

Die Arbeit wandert: heute der Grabenabschnitt an der Straße, morgen das Stück hinter der Böschung, übermorgen die Querung. Die Lasten wandern mit – Tauchpumpe, Verdichter, Beleuchtung, Trennschleifer, Schweißgerät an der Spundwand. Und sie sind nicht gleichmäßig: Eine Pumpe läuft stoßweise, ein Schweißgerät zieht beim Zünden kurzzeitig ein Vielfaches seiner Nennleistung, eine Beleuchtung will Strom, wenn niemand mehr im Graben steht.

Dazu kommt das Wetter, und im Tiefbau ist es keine Randnotiz. Wasser im Graben ist der Normalfall. Wer entwässert, braucht Strom an der tiefsten Stelle – und dort ist ein Verbrennungsmotor die unbeliebteste Lösung: Abgase in der Grube, Betankung im Regen, und bei steigendem Wasser die Frage, wer das Gerät rausholt.

Drei Fragen, die der Verleih heute beantworten muss

Wo steht die Energie? Am Container oder am Arbeitsort. Das ist keine Geschmacksfrage: Ein Kabel, das einmal quer über die Baustraße gelegt wird, ist ein anderes Produkt als eine Einheit, die mit dem Graben mitwandert.

Wie oft wandert sie? Ein Tiefbauabschnitt kann Wochen stehen oder täglich wechseln. Wer das nicht abfragt, plant nach Durchschnitt und liefert am falschen Tag.

Was passiert bei Regen? Die Pumpe ist die Last, die zählt, wenn es regnet – und sie ist die am wenigsten planbare.

Keine dieser drei Fragen beantwortet die Auftragseingangsstatistik. Sie sagt, wie viel Arbeit im Markt ist, nicht wo sie liegt.

Was daraus für die eigene Aufstellung folgt

Aus den Zahlen folgt keine Bestellmenge. Aus ihnen folgt eine Priorität: Wenn das Wachstum im Tiefbau sitzt und der Hochbau seitwärts läuft, ist die Frage nicht „habe ich genug Geräte", sondern „habe ich Geräte, die an den Graben passen".

Für uns sind das die 230-V- und 400-V-Einheiten mit modularer Parallelschaltung, beschrieben unter Stromversorgung auf der Baustelle. Nenndaten der P-Serie: P25 mit 2.500 W Nennleistung, 5.000 W Spitze, 2,7 kWh und 29 kg; P25-D mit 5.000 W und 10.000 W Spitze, 5,4 kWh, rund 60 kg; P25-T mit 7.500 W und 15.000 W Spitze, 8,1 kWh, rund 90 kg, 400 V Drehstrom. Zwei bis drei Einheiten laufen parallel, die Last verteilt sich auf mehrere Gehäuse.

Das sind Nenndaten aus dem Datenblatt, keine Messung unter Baustellenbedingungen. Wie lange eine Einheit eine konkrete Pumpe trägt, hängt an deren Aufnahmeleistung, am Anlaufverhalten und an der Umgebungstemperatur. Eine Reichweite nennen wir dafür nicht, solange wir sie nicht selbst am Graben gemessen haben.

Der Satz, der bleibt

Der Auftragseingang ist die Zahl, mit der man Schlagzeilen macht. Die Zahl, mit der man einen Gerätepark plant, ist der Dreimonatsvergleich – und darin steht in diesem Oktober ein Tiefbau bei 13,8 Prozent und ein Hochbau bei 0,6 Prozent.

Wer daraus schließt, mehr Einheiten an den Graben zu bringen statt mehr an den Container, hat die Meldung genauer gelesen als die meisten.

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Quellen

  • Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 375 vom 23. Oktober 2026: Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im August 2026 – destatis.de
  • Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 338 vom 25. September 2026: Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im Juli 2026, −9,2 % zum Vormonat – destatis.de
  • Produktdaten P25, P25-D, P25-T: eigene technische Daten, Nennwerte. Keine Messung unter Baustellenbedingungen.