Eine Zahl, die 2027 nicht steigt

Es gibt einen Satz, der in Bauhöfen und Straßenunterhaltungen seit zwei Jahren jede Diskussion beendet: „Warte, bis der CO₂-Preis steigt, dann rechnet sich das von allein." Für 2027 fällt dieser Satz weg.

Der nationale CO₂-Preis für Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas bleibt 2027 im Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne – auf dem Niveau von 2026. Die Bundesregierung hat dafür das Brennstoffemissionshandelsgesetz geändert und damit einen Beschluss des Koalitionsausschusses vom 12. Mai 2026 umgesetzt. Der Bundestag hat die Reform im Oktober beschlossen.

Der Grund ist kein neuer Klimakurs, sondern eine Verschiebung: Der europäische Emissionshandel für Gebäude und Verkehr (EU-ETS 2) startet erst 2028. Ohne die Änderung hätte sich der Preis für das Übergangsjahr 2027 aus dem Durchschnitt der Versteigerungen im EU-ETS 1 ergeben – also aus einem Markt, mit dem ein Betriebshof nichts zu tun hat.

Quelle: Energie & Management, 9. September 2026

Der Preisschub, auf den gewartet wurde, kommt nicht

Man kann das als gute Nachricht lesen: Planungssicherheit für ein Jahr. Man kann es auch anders lesen – und für eine Flottenentscheidung ist die zweite Lesart die nützlichere.

Denn wer auf den Preisschub gewartet hat, hat die Entscheidung an eine Größe gehängt, die er nicht steuert. Der CO₂-Preis ist Politik. Die Stunden, die ein Gerät ohne Werkzeug läuft, sind Betrieb. Nur eine der beiden Zahlen liegt in Ihrer Hand – und es ist nicht die aus Berlin.

Was in einem Betriebshof tatsächlich entscheidet

Ein Generator läuft selten, weil gearbeitet wird. Er läuft, weil jemand in zwanzig Minuten ein Werkzeug einstecken könnte.

Das ist der Unterschied zwischen Betriebsstunden und Laststunden, und er ist der eigentliche Posten. Ein Aggregat, das eine 230-Volt-Leitung bereitstellt, verbrennt in der Pause weiter – es kann nicht anders, denn es gibt keinen Schalter, der den Kraftstoff anhält, während die Steckdose frei bleibt. Eine Batterie steht, bis jemand den Stecker nimmt. Im Leerlauf hat sie nichts zu verbrennen.

Das ist kein Argument gegen Diesel. Es ist eine Frage der Zählweise. Wer in seiner Kalkulation Betriebsstunden stehen hat statt Laststunden, rechnet jede Alternative schlecht – und den Diesel besser, als er ist.

Wo die Batterie nicht gewinnt

Es wäre unehrlich, das Gegenteil zu behaupten: Für viele Aufgaben auf dem Bauhof ist ein Aggregat weiterhin die richtige Wahl.

Drei Fälle, in denen eine kompakte Einheit an ihre Grenze kommt:

Dauerlast über Stunden. Der P25 hat 2,7 Kilowattstunden bei 2.500 Watt Dauerleistung und 5.000 Watt Spitze, 29 Kilogramm. Bei voller Nennleistung trägt die Kapazität gut eine Stunde. Wer eine Fräse acht Stunden laufen lässt, braucht keine Batterie, sondern eine andere Geräteklasse.

Echtes Drehstrom mit hoher Last. Dafür gibt es den P25-T mit 7.500 und 15.000 Watt, 8,1 Kilowattstunden und rund 90 Kilogramm – 400 Volt dreiphasig. Das ist ein anderes Gerät, keine größere Buchse: anderes Gewicht, andere Transportart, andere Frage, wer es allein die Rampe hochbekommt.

Dauerbetrieb ohne Aufsicht. Wo eine Leitung über Nacht unter Spannung bleiben muss, ist ein Speicher nur dann die Lösung, wenn jemand die Abschaltung plant.

Alle genannten Werte sind Herstellerangaben, keine Messwerte aus Ihrem Betrieb.

Drei Zahlen, die in Ihre eigene Rechnung gehören

Wenn der Preis 2027 nicht hilft, hilft nur messen. Drei Zahlen reichen, und keine davon braucht ein Gutachten.

Erstens: Leerlaufstunden pro Tag. Nicht schätzen – eine Woche lang Strichliste führen. Wer morgens ankommt und abends geht, kann die Zahl am Freitag ablesen.

Zweitens: Wege für Kraftstoff. Wie oft fährt jemand los, um zu tanken, und wie lange ist er dann weg? Das ist keine Nebensache, sondern Arbeitszeit, die niemand auf einem Stundenzettel als Baustelle führt.

Drittens: Welche Werkzeuge wirklich 400 Volt brauchen. Wenn es genau eines ist, verändert das die Flottenentscheidung mehr als jede Preisprognose. Wenn es fünf sind, ist die Antwort eine andere – und dann ist sie wenigstens begründet.

Was 2027 dann tatsächlich ist

Ein Jahr ohne Druck von der Preisseite. Das ist die einzige Aussage, die der Beschluss für einen Betriebshof hergibt – und sie ist mehr wert, als sie klingt.

Denn 2028 beginnt EU-ETS 2, und damit ändert sich der Mechanismus, nicht nur die Zahl. Wer bis dahin gemessen hat, weiß, was seine Leerlaufstunden kosten. Wer bis dahin gewartet hat, weiß es dann immer noch nicht – nur teurer.

Die Entscheidung zwischen Aggregat und Speicher wird nicht dadurch richtig, dass der Preis steigt. Sie wird dadurch richtig, dass jemand die Stunden gezählt hat, bevor er sie bewertet.